Buchtipp: Silicon Wahnsinn. Wie ich mal mit Schatzi auswanderte

„Ich bin ein grundpositiver Mensch. Auch wenn mein Optimismus und ich morgens nicht immer zur selben Zeit aus dem Bett finden. Es gibt sogar Tage, da verpassen wir uns ganz. Aber trotzdem schaffe ich es, irgendwie zu denken: Alles wird gut.“ Katja Kesslers Schreibstil finde ich saukomisch und macht das Buch zu einem Lesevergnügen. Und den erwähnten Optimismus braucht sie auch bei ihrem Abenteuer, für ein Jahr mit Mann und vier Kindern nach Amerika auszuwandern. Denn Schatzi hat dort einen Job. Schatzi-Frau auch, auch wenn es nicht die Zahnärztin in ihr ist, die bei dieser Spezial-Auszeit zum Einsatz kommt, sondern die Fulltime-Auswanderorganisatorin.

Was tun, wenn der Leasingvertrag für das Häuschen plötzlich 20.000 Dollar statt 2000 Dollar beträgt? („Wo kam plötzlich diese zusätzliche Null her? Die kommt ja nicht des Weges geschlendert und stellt sich zu den anderen wartenden Nullen ins Bushaltehäuschen.“)

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Da hat es Zoom gemacht: Auszeit im Schloss

lichtSCHALTER-name Manchmal können auch zwei Wochen fern des üblichen Lebens Auszeit-Charakter haben und sind nicht mehr einfach nur Urlaub. Normalerweise wehre ich mich ja gegen diese Bezeichnung für so kurze Ausstiege aus dem Alltag, aber meine eigene Auszeit mit einer hohen Dosis an Perspektivewechsel und Anstoß zu Veränderung hat mich eines Besseren belehrt.

Als ich das erste Mal die Schwelle des Schlossensemble Eschelberg im Mühlviertel überschritten hab,  hat es in der Sekunde zoom gemacht. Ich wusste mit 1000-prozentiger Sicherheit, hier will (ja, muss!) ich eine Auszeit machen, um meiner Künstlerinnen-Seele wieder zu begegnen. Es sind diese magischen Momente des inneren Wissens, wo es kein Zaudern und Zögern und Überlegen gibt und wo der Mut im Großpaket mitgeliefert wird, die einem im Leben nicht jeden Tag in den Schoß fallen. Aber wenn sie es tun, dann halleluja.  Dann ergießt sich die Wirkung in jede Zelle.
Hier ein Tagebuchauszug meiner 2-wöchigen Reise in die Langsamkeit, die von einer Woche Fasten verstärkt wurde.

  1. August 2015

Angekommen auf Schloss Eschelberg mit einem Koffer voller Möglichkeiten. Fastensäfte, Stoffe, Garne, Kamera, Notizbücher, Blumenpresse, zwei Augen und zwei Ohren.

So eine unglaublich starke Stille hier. Indoors funktionieren weder Handy noch Internet. Meine Gefühlslage dazu wechselt von Ah zu Oh. Hier ist dann wirklich nur Stille, keine Verbindung zu anderen. Wer ist hier, wenn nur ich bin?

  1. August

Sehr beschäftigt mit nichts. Ich verbringe meine Tage wie die Frauen früher: sticken, schreiben, Tee trinken, Haare bürsten, die Landschaft betrachten.

Draußen Wolken. Wie das mit dem Wetter wohl weitergeht? Ich kann im Internet nicht nachschauen. Ich muss mit dem Unberechenbaren, mit dem, was ist, zurechtkommen. Gut so im Grunde. Ich könnte es ja ohnehin nicht ändern, auch wenn ich wüsste, wie das Wetter wird. Spannend, sich dem Jetzt hinzugeben.

Es nützt nichts, aufs Handy zu schauen. Weiterlesen

Auszeit-Interview im Bestseller

Ich freu mich sehr über das schöne Interview im Bestseller, das Chefredakteurin Doris Rasshofer über meine Auszeitberatung gemacht hat. Sie ist eine wahre Pionierin und hat das Magazin neu positioniert. Es ist jetzt ein innovatives Zukunftsmagazin der neuen Wirtschaft. Ja, das brauchen wir. Danke, Doris.

Hier ist das Interview zum Nachlesen und Ausdrucken: 34-36_AuszeitManagement-Bestseller

Buchtipp: Ein Jahr in…

Auszeit: für viele bedeutet das, ein Jahr zu reisen. Auszeit von der Arbeit kann aber auch bedeuten, mal nicht die übliche Arbeit am üblichen Ort zu machen. Dazu gibt es eine ganz wunderbare Buchserie: „Ein Jahr in…“. Ich war damit schon in der Provence, Island und Paris. Man kann mit diesen Büchern herrlich vom Sofa aus in andere Welten eintauchen, und meist sind die Erfahrungsberichte auch recht köstlich geschrieben. Paris war bisher mein Favorit. Und ein Zitat daraus bringt auch die Motive so mancher Auszeit-Interessierter auf den Punkt:

„Es begann irgendwann kurz nach meinem 30. Geburtstag. Dieses kleine, nagende Gefühl, dass da doch noch etwas wäre. Warten würde. ‚Du spinnst‘, sagte Georg, mein Freund. ‚Dir geht’s einfach nur zu gut.‘ Womit er recht hatte, aber vielleicht war genau das der Punkt. Ich hatte einen passablen Job, einen netten Freund. Ich hatte Freunde und eine Wohnung mit Balkon und Wäschetrockner. Alles bewegte sich in eine Richtung, die bestimmt nicht verkehrt war. Und trotzdem. Was war mit dem großen Rest? Dem Abenteuer, der Möglichkeit, auch ein anderes Leben zu führen.“ (gekürztes Zitat aus: Ein Jahr in Paris. Reise in den Alltag. Von Silja Ukena)

Ich kauf nix: Finanzierung einer Auszeit

Wer eine Auszeit macht, kämpft auch häufig mit der Frage, ob das Geld wohl ausreicht. Ich finde es immer inspirierend, Bücher zu lesen von Menschen, die Alternativen zum üblichen Umgang mit Geld und Konsum suchen. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit, sich der Finanzierung einer Auszeit zu nähern.

Sehr spannend fand ich etwa das Buch von Nunu Koller „Ich kauf nix“. Ein Jahr lang hat sie keine neue Kleidung gekauft. In ihrem amüsanten Buch erzählt sie von ihrem Suchtverhalten und anderen Herausforderungen. Letztlich aber ist ihr das Kaufnixjahr gelungen und sie hat Kleidertauschpartys und die Lust am Selbermachen als Alternativen entdeckt.

Und meine persönliche Ergänzung zum Thema sind Tauschkreise wie Lets (Local exchange trading system), bei denen Waren oder Dienstleistungen in anderen Währungen wie Zeiteinheiten getauscht werden. Erstens kann man bargeldlos Einiges erstehen: von der Massage über Katzensitting bis Kleidung oder Bücher. Und zweitens ist es eine gute Möglichkeit, schlummernde Talente zu entdecken und zur Tauschwährung zu machen. Wer gut Marmelade einkocht, ist in Tauschkreisen ebenso willkommen wie Menschen mit Reparaturkenntnissen oder Sprachentalente und Ordnungsbegeisterte.

Auszeit und Arbeit

„Ein Schreibtisch im Paradies“ betitelt die New York Times treffenderweise ihren Artikel über einen neuen Trend, Urlaub und Arbeit zu verbinden. So genannte Coworking Camps oder Workation Retreats sprießen anscheinend gerade wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden, und zwar inmitten herrlicher Landschaften in Gran Canaria, Türkei oder auch außerhalb Berlins, um nur einige zu nennen. An inspirierenden Orten steht Infrastruktur zum Arbeiten zur Verfügung, ebenso wie Menschen zum Austauschen. Und Ruhe, um abzuschalten und sich zu entspannen.
Interessant finde ich diesen Trend, denn er verbindet die Welten, die à la longue verbunden gehören aus meiner Sicht. Denn wer seine Arbeit als Erfüllung sieht, trennt nicht mehr zwischen Arbeit und Leben. Und dazu gehört eben auch ein Urlaub.

Ein sehr von mir geschätzter Ort, gut erreichbar von Wien bzw. Linz, ist das Forsthaus Schloss Eschelberg von Veronika Lamprecht und Harald Koisser. Sie bieten nun auch einen Schreibtisch und mehr in ihrem Paradies an. An ein bis zwei Tagen können die herrlichen Räume mit Schlossatmosphäre für Flow-Arbeitstage genutzt werden. Ebenso die klärende, kräftigende Energie dieses für mich magischen Ortes.

Das ist ein Teil meines aktuellen (Aus)Zeit-Newsletters. Wer will, dass er künftig ins Postfach flattert, bitte um Mail an christa.langheiter@aon.at.

12 Jahre Auszeit

Ich bin ein Biografien-Junkie. ich liebe es, in fremden Leben nach Herausforderungen und Ressourcen zu stöbern. Hat jemand eine spannende Erfahrung gemacht und ein Buch darüber geschrieben, landet es mit Garantie irgendwann auf meinem Nachtkästchen.

Zuletzt fasziniert hat mich Miek Pots 12-jährige Erfahrung in einem Schweigekloster „In der Stille hörst du dich selbst“. Die Niederländerin wuchs im Wohlstand auf und führte ein stürmisches Studentinnenleben, bis sie sich entschloss, zum Lernen in ein Kloster zu gehen. Sie schreibt: „Die straffe Tagesordnung sorgte für Ruhe und gab mir überraschenderweise innerlich viel Raum. Blitzartig wurde mir klar, dass es nicht gleichbedeutend mit Freiheit ist, nur zu tun, wozu man Lust hat.“ Der Aufenthalt sollte eine einschneidende Erfahrung für sie werden, die sie nach dem Studium nicht mehr missen wollte. Nach 12 Jahren im Schweigekloster allerdings spürte sie, dass sie ihre Erfahrungen in einem weltlichen Leben integrieren möchte. Heute bietet sie Kontemplations-Workshops und Retreats an. www.miekpot.com
Das Buch ist eine sehr heiße Empfehlung für alle, die die Stille in sich suchen und gleichzeitig eine spannende Geschichte lesen wollen.

Ernten

Ernten ist das neue Zauberwort in meinem Leben. Das bedeutet, Vorhandenes, Umgesetztes wertzuschätzen und ausreichend sichtbar zu machen und nicht in kürzester Zeit schon am nächsten zu werken, sprich neue Samen zu säen. Kennt das jemand? Eine häufige Plage von Kreativen.

Hiermit wird geerntet! 🙂 Der jeweils aktuelle Newsletter wird daher ab sofort auch hier auf meiner Website abrufbar sein. Enjoy!

Zen und die Kunst zu arbeiten

Was ist Arbeit eigentlich? Und was bedeutet im Gegenzug arbeitsfrei? Als meine Auszeit-Phase im Park von einer Sekunde auf die andere vorbei war, hab ich Handarbeiten entworfen, Anleitungen geschrieben, recherchiert, Fotos gemacht und bearbeitet, Preise für E-Books festgelegt, Verkaufsplattformen gesucht. Als Arbeit habe ich es nicht empfunden. Dass es für dieses Tun keine äußere Notwendigkeit und keine Deadline gab, mag eine Begründung sein. Die andere liegt meiner Meinung nach im völligen Aufgehen in einer Sache, von der man gerade begeistert ist, in die man versunken ist.

Und da fiel mir Bernard Glasmans Buch „Anweisungen für den Koch“ gerade zur rechten Zeit in die Hände. Der Zen-Praktizierende verwendet dabei die Analogie des Kochens für die Zubereitung des Lebens-Mahls und damit auch der Arbeit. Ich fand diese Analogie großartig: welche Zutaten wählt man für sein Leben? Wie bereitet man sie zu? Wie macht man Feuer? Säubern nicht vergessen und den Tisch hübsch decken, sorgsam mit Ressourcen umgehen.
Dieses Zitat hatte es mir besonders angetan: „Wenn wir vollständig auf unsere Arbeit konzentriert sind, gibt es für uns kein Ziel. Wir denken oder sagen dann nicht: „Wann ist diese Arbeit zu Ende? Oder: Ich arbeite, um Geld zu verdienen. Wir arbeiten einfach und befinden uns dabei völlig im gegenwärtigen Augenblick. Bei dieser Art zu arbeiten vergeuden wir keine Energie, indem wir uns Sorgen darüber machen, was wir in der Vergangenheit eigentlich alles hätten tun sollen, oder darüber, was wir in der Zukunft alles tun könnten. Wenn wir so arbeiten, macht uns die Arbeit nicht müde, sonder wir gewinnen durch sie zusätzliche Energie und geistigen Frieden.
Ja, genau das hatte ich empfunden nach meiner Auszeitphase unterm Baum.

Urlaub, so viel man will?

Virgin-Chef Richard Branson hat vor kurzem mit der Aussage aufhorchen lassen, seine MitarbeiterInnen könnten in Zukunft Urlaub nehmen, so viel und wann sie wollen. Dass der erfolgreiche Geschäftsmann nicht nur aus Selbstlosigkeit so agiert, scheint auch klar. Denn seine Einschränkung lautet, dass das nur gelte, wenn sie mit allen Projekten auf dem Laufenden seien. Das Angebot richtet sich außerdem nur an eine überschaubare Gruppe an MitarbeiterInnen in England und USA. Auf seinem Blog kann man etwa lesen, dass viele Virgin-MitarbeiterInnen in Australien nie Urlaub nehmen können, wann sie wollen.
Aber die Frage ist, worauf wir unsere Lampe richten. Was beleuchten wir? Das was dabei nicht funktioniert oder nicht klappen könnte oder das, was positiv ist. Dass ein erfolgreicher Geschäftsmann findet, Auszeitangebote könnten seine MitarbeiterInnen motivieren und gut fürs Geschäft sein, sehe ich persönlich jedenfalls als positives Signal. Denn damit ist ihm offenbar klar, dass Arbeiten bis zum Umfallen keine angesagte und gewünschte Arbeitskultur ist. Und auch kein geschäftliches Erfolgsrezept.
Quellen: Spiegel online, Virgin