Buchtipp: Ein Jahr in…

Auszeit: für viele bedeutet das, ein Jahr zu reisen. Auszeit von der Arbeit kann aber auch bedeuten, mal nicht die übliche Arbeit am üblichen Ort zu machen. Dazu gibt es eine ganz wunderbare Buchserie: „Ein Jahr in…“. Ich war damit schon in der Provence, Island und Paris. Man kann mit diesen Büchern herrlich vom Sofa aus in andere Welten eintauchen, und meist sind die Erfahrungsberichte auch recht köstlich geschrieben. Paris war bisher mein Favorit. Und ein Zitat daraus bringt auch die Motive so mancher Auszeit-Interessierter auf den Punkt:

„Es begann irgendwann kurz nach meinem 30. Geburtstag. Dieses kleine, nagende Gefühl, dass da doch noch etwas wäre. Warten würde. ‚Du spinnst‘, sagte Georg, mein Freund. ‚Dir geht’s einfach nur zu gut.‘ Womit er recht hatte, aber vielleicht war genau das der Punkt. Ich hatte einen passablen Job, einen netten Freund. Ich hatte Freunde und eine Wohnung mit Balkon und Wäschetrockner. Alles bewegte sich in eine Richtung, die bestimmt nicht verkehrt war. Und trotzdem. Was war mit dem großen Rest? Dem Abenteuer, der Möglichkeit, auch ein anderes Leben zu führen.“ (gekürztes Zitat aus: Ein Jahr in Paris. Reise in den Alltag. Von Silja Ukena)

Ich kauf nix: Finanzierung einer Auszeit

Wer eine Auszeit macht, kämpft auch häufig mit der Frage, ob das Geld wohl ausreicht. Ich finde es immer inspirierend, Bücher zu lesen von Menschen, die Alternativen zum üblichen Umgang mit Geld und Konsum suchen. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit, sich der Finanzierung einer Auszeit zu nähern.

Sehr spannend fand ich etwa das Buch von Nunu Koller „Ich kauf nix“. Ein Jahr lang hat sie keine neue Kleidung gekauft. In ihrem amüsanten Buch erzählt sie von ihrem Suchtverhalten und anderen Herausforderungen. Letztlich aber ist ihr das Kaufnixjahr gelungen und sie hat Kleidertauschpartys und die Lust am Selbermachen als Alternativen entdeckt.

Und meine persönliche Ergänzung zum Thema sind Tauschkreise wie Lets (Local exchange trading system), bei denen Waren oder Dienstleistungen in anderen Währungen wie Zeiteinheiten getauscht werden. Erstens kann man bargeldlos Einiges erstehen: von der Massage über Katzensitting bis Kleidung oder Bücher. Und zweitens ist es eine gute Möglichkeit, schlummernde Talente zu entdecken und zur Tauschwährung zu machen. Wer gut Marmelade einkocht, ist in Tauschkreisen ebenso willkommen wie Menschen mit Reparaturkenntnissen oder Sprachentalente und Ordnungsbegeisterte.