Buchtipp: Silicon Wahnsinn. Wie ich mal mit Schatzi auswanderte

„Ich bin ein grundpositiver Mensch. Auch wenn mein Optimismus und ich morgens nicht immer zur selben Zeit aus dem Bett finden. Es gibt sogar Tage, da verpassen wir uns ganz. Aber trotzdem schaffe ich es, irgendwie zu denken: Alles wird gut.“ Katja Kesslers Schreibstil finde ich saukomisch und macht das Buch zu einem Lesevergnügen. Und den erwähnten Optimismus braucht sie auch bei ihrem Abenteuer, für ein Jahr mit Mann und vier Kindern nach Amerika auszuwandern. Denn Schatzi hat dort einen Job. Schatzi-Frau auch, auch wenn es nicht die Zahnärztin in ihr ist, die bei dieser Spezial-Auszeit zum Einsatz kommt, sondern die Fulltime-Auswanderorganisatorin.

Was tun, wenn der Leasingvertrag für das Häuschen plötzlich 20.000 Dollar statt 2000 Dollar beträgt? („Wo kam plötzlich diese zusätzliche Null her? Die kommt ja nicht des Weges geschlendert und stellt sich zu den anderen wartenden Nullen ins Bushaltehäuschen.“)

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Buchtipp: Ein Jahr in…

Auszeit: für viele bedeutet das, ein Jahr zu reisen. Auszeit von der Arbeit kann aber auch bedeuten, mal nicht die übliche Arbeit am üblichen Ort zu machen. Dazu gibt es eine ganz wunderbare Buchserie: „Ein Jahr in…“. Ich war damit schon in der Provence, Island und Paris. Man kann mit diesen Büchern herrlich vom Sofa aus in andere Welten eintauchen, und meist sind die Erfahrungsberichte auch recht köstlich geschrieben. Paris war bisher mein Favorit. Und ein Zitat daraus bringt auch die Motive so mancher Auszeit-Interessierter auf den Punkt:

„Es begann irgendwann kurz nach meinem 30. Geburtstag. Dieses kleine, nagende Gefühl, dass da doch noch etwas wäre. Warten würde. ‚Du spinnst‘, sagte Georg, mein Freund. ‚Dir geht’s einfach nur zu gut.‘ Womit er recht hatte, aber vielleicht war genau das der Punkt. Ich hatte einen passablen Job, einen netten Freund. Ich hatte Freunde und eine Wohnung mit Balkon und Wäschetrockner. Alles bewegte sich in eine Richtung, die bestimmt nicht verkehrt war. Und trotzdem. Was war mit dem großen Rest? Dem Abenteuer, der Möglichkeit, auch ein anderes Leben zu führen.“ (gekürztes Zitat aus: Ein Jahr in Paris. Reise in den Alltag. Von Silja Ukena)

Zen und die Kunst zu arbeiten

Was ist Arbeit eigentlich? Und was bedeutet im Gegenzug arbeitsfrei? Als meine Auszeit-Phase im Park von einer Sekunde auf die andere vorbei war, hab ich Handarbeiten entworfen, Anleitungen geschrieben, recherchiert, Fotos gemacht und bearbeitet, Preise für E-Books festgelegt, Verkaufsplattformen gesucht. Als Arbeit habe ich es nicht empfunden. Dass es für dieses Tun keine äußere Notwendigkeit und keine Deadline gab, mag eine Begründung sein. Die andere liegt meiner Meinung nach im völligen Aufgehen in einer Sache, von der man gerade begeistert ist, in die man versunken ist.

Und da fiel mir Bernard Glasmans Buch „Anweisungen für den Koch“ gerade zur rechten Zeit in die Hände. Der Zen-Praktizierende verwendet dabei die Analogie des Kochens für die Zubereitung des Lebens-Mahls und damit auch der Arbeit. Ich fand diese Analogie großartig: welche Zutaten wählt man für sein Leben? Wie bereitet man sie zu? Wie macht man Feuer? Säubern nicht vergessen und den Tisch hübsch decken, sorgsam mit Ressourcen umgehen.
Dieses Zitat hatte es mir besonders angetan: „Wenn wir vollständig auf unsere Arbeit konzentriert sind, gibt es für uns kein Ziel. Wir denken oder sagen dann nicht: „Wann ist diese Arbeit zu Ende? Oder: Ich arbeite, um Geld zu verdienen. Wir arbeiten einfach und befinden uns dabei völlig im gegenwärtigen Augenblick. Bei dieser Art zu arbeiten vergeuden wir keine Energie, indem wir uns Sorgen darüber machen, was wir in der Vergangenheit eigentlich alles hätten tun sollen, oder darüber, was wir in der Zukunft alles tun könnten. Wenn wir so arbeiten, macht uns die Arbeit nicht müde, sonder wir gewinnen durch sie zusätzliche Energie und geistigen Frieden.
Ja, genau das hatte ich empfunden nach meiner Auszeitphase unterm Baum.

Licht anknipsen

Anita Moorjani beschreibt in ihrem Buch „Heilung im Licht“ ihre Nahtoderfahrung, nach der sie von Krebs im Endstadium geheilt wird. Dabei verwendet sie für das irdische Leben das Bild einer großen dunklen Lagerhalle, die man mit einer kleinen Taschenlampe betritt, und dass man nur wahrnimmt, wohin man mit diesem kleinen Licht leuchtet. In der Welt, die sie bei ihrem Nahtod betritt, geht hingegen ein gigantischer Lichtschalter an, und sie hört Töne, die sie noch nie gehört hat, und sieht Farben, die sie noch nie gesehen hat. „Sie begreifen, dass das, was Sie bisher für Ihre Realität hielten, in Wirklichkeit nicht viel mehr als ein Fünkchen jenes unermesslichen Wunders ist, das Sie umgibt,“ schreibt sie.
Mir ist klar, dass meine Anknüpfung ein bisschen gewagt ist, kann es aber dennoch nicht lassen: Mich hat diese Metapher auch an die Intention meiner Coachings erinnert: etwas dazu beitragen zu wollen, dass ein größerer Lichtschalter angeknipst wird im Leben meiner KundInnen. Auf dass mit neuen Perspektiven/einem neuen Lichtstrahl Neues, bis dato Verborgenes gesehen werden kann. Und ja, ich weiß, nicht der Lichtschalter möge größer sein, sondern das Licht. Mut zum unperfekten Schreiben 🙂

Dieses Buch hat mich sehr inspiriert, vor allem durch die Grundbotschaft, das wichtigste im Leben sei, man selbst zu sein und sich nicht für Andere zu verbiegen. Der englische Titel „Dying to be me“ drückt dies auch sehr gut aus.

 

Pfuuh! Was für eine Form von Auszeit!

So hat sich die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor ihre Auszeit bestimmt nicht vorgestellt. Denn die amerikanische Wissenschaftlerin, die sich aufgrund der Schizophrenie ihres Bruders auf Hirnforschung spezialisiert hatte, erlitt vor 15 Jahren selbst einen Hirnschlag und konnte am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn die rechte Gehirnhälfte ausfällt. Sie konnte weder sprechen oder gehen noch sich an ihr vergangenes Leben erinnern. Es hat acht Jahre gedauert, bis sie wieder ganz hergestellt war. Ihre Erfahrungen und die neuen Perspektiven, die diese unfreiwillige Auszeit eröffnet haben, hat sie im Buch „Mit einem Schlag“ festgehalten.
Im übrigen passiert es relativ häufig, dass eine Krankheit eine Auszeit nach sich zieht. Ebenso häufig stellt sich im nachhinein heraus, dass die Sehnsucht nach einer Auszeit bzw. einem Perspektivewechsel im Grunde innerlich schon vorhanden war. Ich empfehle gesündere Varianten, eine Auszeit anzugehen!