Auszeit und Arbeit

„Ein Schreibtisch im Paradies“ betitelt die New York Times treffenderweise ihren Artikel über einen neuen Trend, Urlaub und Arbeit zu verbinden. So genannte Coworking Camps oder Workation Retreats sprießen anscheinend gerade wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden, und zwar inmitten herrlicher Landschaften in Gran Canaria, Türkei oder auch außerhalb Berlins, um nur einige zu nennen. An inspirierenden Orten steht Infrastruktur zum Arbeiten zur Verfügung, ebenso wie Menschen zum Austauschen. Und Ruhe, um abzuschalten und sich zu entspannen.
Interessant finde ich diesen Trend, denn er verbindet die Welten, die à la longue verbunden gehören aus meiner Sicht. Denn wer seine Arbeit als Erfüllung sieht, trennt nicht mehr zwischen Arbeit und Leben. Und dazu gehört eben auch ein Urlaub.

Ein sehr von mir geschätzter Ort, gut erreichbar von Wien bzw. Linz, ist das Forsthaus Schloss Eschelberg von Veronika Lamprecht und Harald Koisser. Sie bieten nun auch einen Schreibtisch und mehr in ihrem Paradies an. An ein bis zwei Tagen können die herrlichen Räume mit Schlossatmosphäre für Flow-Arbeitstage genutzt werden. Ebenso die klärende, kräftigende Energie dieses für mich magischen Ortes.

Das ist ein Teil meines aktuellen (Aus)Zeit-Newsletters. Wer will, dass er künftig ins Postfach flattert, bitte um Mail an christa.langheiter@aon.at.

Zen und die Kunst zu arbeiten

Was ist Arbeit eigentlich? Und was bedeutet im Gegenzug arbeitsfrei? Als meine Auszeit-Phase im Park von einer Sekunde auf die andere vorbei war, hab ich Handarbeiten entworfen, Anleitungen geschrieben, recherchiert, Fotos gemacht und bearbeitet, Preise für E-Books festgelegt, Verkaufsplattformen gesucht. Als Arbeit habe ich es nicht empfunden. Dass es für dieses Tun keine äußere Notwendigkeit und keine Deadline gab, mag eine Begründung sein. Die andere liegt meiner Meinung nach im völligen Aufgehen in einer Sache, von der man gerade begeistert ist, in die man versunken ist.

Und da fiel mir Bernard Glasmans Buch „Anweisungen für den Koch“ gerade zur rechten Zeit in die Hände. Der Zen-Praktizierende verwendet dabei die Analogie des Kochens für die Zubereitung des Lebens-Mahls und damit auch der Arbeit. Ich fand diese Analogie großartig: welche Zutaten wählt man für sein Leben? Wie bereitet man sie zu? Wie macht man Feuer? Säubern nicht vergessen und den Tisch hübsch decken, sorgsam mit Ressourcen umgehen.
Dieses Zitat hatte es mir besonders angetan: „Wenn wir vollständig auf unsere Arbeit konzentriert sind, gibt es für uns kein Ziel. Wir denken oder sagen dann nicht: „Wann ist diese Arbeit zu Ende? Oder: Ich arbeite, um Geld zu verdienen. Wir arbeiten einfach und befinden uns dabei völlig im gegenwärtigen Augenblick. Bei dieser Art zu arbeiten vergeuden wir keine Energie, indem wir uns Sorgen darüber machen, was wir in der Vergangenheit eigentlich alles hätten tun sollen, oder darüber, was wir in der Zukunft alles tun könnten. Wenn wir so arbeiten, macht uns die Arbeit nicht müde, sonder wir gewinnen durch sie zusätzliche Energie und geistigen Frieden.
Ja, genau das hatte ich empfunden nach meiner Auszeitphase unterm Baum.

Urlaub, so viel man will?

Virgin-Chef Richard Branson hat vor kurzem mit der Aussage aufhorchen lassen, seine MitarbeiterInnen könnten in Zukunft Urlaub nehmen, so viel und wann sie wollen. Dass der erfolgreiche Geschäftsmann nicht nur aus Selbstlosigkeit so agiert, scheint auch klar. Denn seine Einschränkung lautet, dass das nur gelte, wenn sie mit allen Projekten auf dem Laufenden seien. Das Angebot richtet sich außerdem nur an eine überschaubare Gruppe an MitarbeiterInnen in England und USA. Auf seinem Blog kann man etwa lesen, dass viele Virgin-MitarbeiterInnen in Australien nie Urlaub nehmen können, wann sie wollen.
Aber die Frage ist, worauf wir unsere Lampe richten. Was beleuchten wir? Das was dabei nicht funktioniert oder nicht klappen könnte oder das, was positiv ist. Dass ein erfolgreicher Geschäftsmann findet, Auszeitangebote könnten seine MitarbeiterInnen motivieren und gut fürs Geschäft sein, sehe ich persönlich jedenfalls als positives Signal. Denn damit ist ihm offenbar klar, dass Arbeiten bis zum Umfallen keine angesagte und gewünschte Arbeitskultur ist. Und auch kein geschäftliches Erfolgsrezept.
Quellen: Spiegel online, Virgin

Licht anknipsen

Anita Moorjani beschreibt in ihrem Buch „Heilung im Licht“ ihre Nahtoderfahrung, nach der sie von Krebs im Endstadium geheilt wird. Dabei verwendet sie für das irdische Leben das Bild einer großen dunklen Lagerhalle, die man mit einer kleinen Taschenlampe betritt, und dass man nur wahrnimmt, wohin man mit diesem kleinen Licht leuchtet. In der Welt, die sie bei ihrem Nahtod betritt, geht hingegen ein gigantischer Lichtschalter an, und sie hört Töne, die sie noch nie gehört hat, und sieht Farben, die sie noch nie gesehen hat. „Sie begreifen, dass das, was Sie bisher für Ihre Realität hielten, in Wirklichkeit nicht viel mehr als ein Fünkchen jenes unermesslichen Wunders ist, das Sie umgibt,“ schreibt sie.
Mir ist klar, dass meine Anknüpfung ein bisschen gewagt ist, kann es aber dennoch nicht lassen: Mich hat diese Metapher auch an die Intention meiner Coachings erinnert: etwas dazu beitragen zu wollen, dass ein größerer Lichtschalter angeknipst wird im Leben meiner KundInnen. Auf dass mit neuen Perspektiven/einem neuen Lichtstrahl Neues, bis dato Verborgenes gesehen werden kann. Und ja, ich weiß, nicht der Lichtschalter möge größer sein, sondern das Licht. Mut zum unperfekten Schreiben 🙂

Dieses Buch hat mich sehr inspiriert, vor allem durch die Grundbotschaft, das wichtigste im Leben sei, man selbst zu sein und sich nicht für Andere zu verbiegen. Der englische Titel „Dying to be me“ drückt dies auch sehr gut aus.