Florale Auszeit

Foto: Rosel Eckstein, pixelio

Foto: Rosel Eckstein, pixelio

Vor kurzem hab ich mich näher mit der Amaryllis beschäftigt, da sie mich immer wieder zu wundersamen Blättereien (Blattessenz-Bilder) inspiriert. Und was les ich da?! Die königliche Pflanze blüht nur dann so phantastisch, wenn sie im Herbst für mehrere Monate nicht mehr gegossen wird und kühl und dunkel gestellt wird. Totaler Rückzug also, man könnte es auch Auszeit nennen :-).

Eine wunderbare Blütenpracht als Ergebnis einer Auszeit. Dieses Bild lässt sich sehr gut auf menschliche Auszeiten übertragen: während einer Auszeit scheint es manchmal, als ob die Dinge zum Stillstand kämen. Nichts Sichtbares passiert, langsam wird man ungeduldig. Die kostbare Auszeit und dann tümpelt man vor sich hin. An dem Punkt braucht es Vertrauen und Geduld. Und etwas Pflanzenwissen kann dabei hilfreich sein. Die Ruhe im Außen heißt nicht, dass nicht im Inneren magische Verwandlungen und wundersame Knospen vorbereitet werden. Die dann, wenn die Zeit reif ist, plötzlich in voller Pracht erblühen.

Buchtipp: Silicon Wahnsinn. Wie ich mal mit Schatzi auswanderte

„Ich bin ein grundpositiver Mensch. Auch wenn mein Optimismus und ich morgens nicht immer zur selben Zeit aus dem Bett finden. Es gibt sogar Tage, da verpassen wir uns ganz. Aber trotzdem schaffe ich es, irgendwie zu denken: Alles wird gut.“ Katja Kesslers Schreibstil finde ich saukomisch und macht das Buch zu einem Lesevergnügen. Und den erwähnten Optimismus braucht sie auch bei ihrem Abenteuer, für ein Jahr mit Mann und vier Kindern nach Amerika auszuwandern. Denn Schatzi hat dort einen Job. Schatzi-Frau auch, auch wenn es nicht die Zahnärztin in ihr ist, die bei dieser Spezial-Auszeit zum Einsatz kommt, sondern die Fulltime-Auswanderorganisatorin.

Was tun, wenn der Leasingvertrag für das Häuschen plötzlich 20.000 Dollar statt 2000 Dollar beträgt? („Wo kam plötzlich diese zusätzliche Null her? Die kommt ja nicht des Weges geschlendert und stellt sich zu den anderen wartenden Nullen ins Bushaltehäuschen.“)

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Ernten

Ernten ist das neue Zauberwort in meinem Leben. Das bedeutet, Vorhandenes, Umgesetztes wertzuschätzen und ausreichend sichtbar zu machen und nicht in kürzester Zeit schon am nächsten zu werken, sprich neue Samen zu säen. Kennt das jemand? Eine häufige Plage von Kreativen.

Hiermit wird geerntet! 🙂 Der jeweils aktuelle Newsletter wird daher ab sofort auch hier auf meiner Website abrufbar sein. Enjoy!

Urlaub, so viel man will?

Virgin-Chef Richard Branson hat vor kurzem mit der Aussage aufhorchen lassen, seine MitarbeiterInnen könnten in Zukunft Urlaub nehmen, so viel und wann sie wollen. Dass der erfolgreiche Geschäftsmann nicht nur aus Selbstlosigkeit so agiert, scheint auch klar. Denn seine Einschränkung lautet, dass das nur gelte, wenn sie mit allen Projekten auf dem Laufenden seien. Das Angebot richtet sich außerdem nur an eine überschaubare Gruppe an MitarbeiterInnen in England und USA. Auf seinem Blog kann man etwa lesen, dass viele Virgin-MitarbeiterInnen in Australien nie Urlaub nehmen können, wann sie wollen.
Aber die Frage ist, worauf wir unsere Lampe richten. Was beleuchten wir? Das was dabei nicht funktioniert oder nicht klappen könnte oder das, was positiv ist. Dass ein erfolgreicher Geschäftsmann findet, Auszeitangebote könnten seine MitarbeiterInnen motivieren und gut fürs Geschäft sein, sehe ich persönlich jedenfalls als positives Signal. Denn damit ist ihm offenbar klar, dass Arbeiten bis zum Umfallen keine angesagte und gewünschte Arbeitskultur ist. Und auch kein geschäftliches Erfolgsrezept.
Quellen: Spiegel online, Virgin

Licht anknipsen

Anita Moorjani beschreibt in ihrem Buch „Heilung im Licht“ ihre Nahtoderfahrung, nach der sie von Krebs im Endstadium geheilt wird. Dabei verwendet sie für das irdische Leben das Bild einer großen dunklen Lagerhalle, die man mit einer kleinen Taschenlampe betritt, und dass man nur wahrnimmt, wohin man mit diesem kleinen Licht leuchtet. In der Welt, die sie bei ihrem Nahtod betritt, geht hingegen ein gigantischer Lichtschalter an, und sie hört Töne, die sie noch nie gehört hat, und sieht Farben, die sie noch nie gesehen hat. „Sie begreifen, dass das, was Sie bisher für Ihre Realität hielten, in Wirklichkeit nicht viel mehr als ein Fünkchen jenes unermesslichen Wunders ist, das Sie umgibt,“ schreibt sie.
Mir ist klar, dass meine Anknüpfung ein bisschen gewagt ist, kann es aber dennoch nicht lassen: Mich hat diese Metapher auch an die Intention meiner Coachings erinnert: etwas dazu beitragen zu wollen, dass ein größerer Lichtschalter angeknipst wird im Leben meiner KundInnen. Auf dass mit neuen Perspektiven/einem neuen Lichtstrahl Neues, bis dato Verborgenes gesehen werden kann. Und ja, ich weiß, nicht der Lichtschalter möge größer sein, sondern das Licht. Mut zum unperfekten Schreiben 🙂

Dieses Buch hat mich sehr inspiriert, vor allem durch die Grundbotschaft, das wichtigste im Leben sei, man selbst zu sein und sich nicht für Andere zu verbiegen. Der englische Titel „Dying to be me“ drückt dies auch sehr gut aus.

 

Mehr In-Zeit 

Eine längere berufliche Auszeit, um wieder aufzutanken, seine Träume zu leben, neue Perspektiven zu gewinnen. Das kann einmal die Lösung sein, vielleicht zwei Mal, aber es kann keine Dauereinrichtung sein. A la longue geht es darum, die „In-Zeit“ so zu gestalten, dass man nicht ausbrennt. Dass man nicht das Gefühl hat, das, was eigentlich wichtig ist, geht sich nicht aus.

Wie bekommt man nun mehr von dieser nährenden Zeit? Claudia Langer, Gründerin der Plattform www.utopia.de, einer Plattform für weltverändernden Konsum, sagt dazu in einem Interview in Brigitte Woman: „Wir sollten über die Zeit als neues Statussymbol nachdenken. Ich mache zum Beispiel Telefonkonferenzen und habe, auch dadurch, 80 Prozent meiner beruflichen Reisen reduziert. Seitdem habe ich vielmehr Zeit für die Familie, aber auch für meinen Garten.“ Eine interessante Möglichkeit, finde ich.

Und wie können Sie in Ihrer In-Zeit mehr Zeit für das für Sie Wesentliche schaffen? Was ließe sich weglassen, was nicht wichtig ist? Was kürzen, streichen, straffen? Womit verzetteln Sie sich?

Pfuuh! Was für eine Form von Auszeit!

So hat sich die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor ihre Auszeit bestimmt nicht vorgestellt. Denn die amerikanische Wissenschaftlerin, die sich aufgrund der Schizophrenie ihres Bruders auf Hirnforschung spezialisiert hatte, erlitt vor 15 Jahren selbst einen Hirnschlag und konnte am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn die rechte Gehirnhälfte ausfällt. Sie konnte weder sprechen oder gehen noch sich an ihr vergangenes Leben erinnern. Es hat acht Jahre gedauert, bis sie wieder ganz hergestellt war. Ihre Erfahrungen und die neuen Perspektiven, die diese unfreiwillige Auszeit eröffnet haben, hat sie im Buch „Mit einem Schlag“ festgehalten.
Im übrigen passiert es relativ häufig, dass eine Krankheit eine Auszeit nach sich zieht. Ebenso häufig stellt sich im nachhinein heraus, dass die Sehnsucht nach einer Auszeit bzw. einem Perspektivewechsel im Grunde innerlich schon vorhanden war. Ich empfehle gesündere Varianten, eine Auszeit anzugehen!